Die Aareschlucht bei Brugg

Anmerkung: Es gibt zwei Aareschluchten. Wer die berühmte Schlucht im Berner Oberland sucht, muss sich, zumindest für diese Seite, noch gedulden. Es sei hier deshalb auf die Seite aareschlucht.ch verwiesen.

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Bei Brugg hat die Aare eine eindrückliche Felsrinne in die Malmkalke des Tafeljuras gesägt. Die rund ein Kilometer lange Schlucht gilt als Naturdenkmal von nationaler Bedeutung


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Die Schlucht beginnt an der Eisenbahnbrücke bei Altenburg und endet vor der Casino-Brücke, östlich der Brugger Altstadt


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Bei Altenburg verlässt der Fluss seine vorherige Unterlage aus kaltzeitlichen Lockergesteinen, um kurzzeitig die Malmkalke des Tafeljuras zu überfliessen


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Die 32 Meter hohe Eisenbahnbrücke der Bözberglinie mit integriertem Fussgängersteg


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Querprofil der Aare, knapp hundert Meter stromab der Eisenbahnbrücke. Noch ist das Bett ausgeglichen und nicht sehr tief. Profil-Nr. 1A


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Im Frühsommer rauschen durchschnittlich etwa vierhundert Tonnen Wasser pro Sekunde in die Schlucht. Bei Hochwasser sind es deren achthundert oder noch mehr


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Einige Steinwürfe unterhalb der Brücke wird der Fluss zunehmend unruhig


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Felsen lauern nun dicht unter der Wasseroberfläche


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Grün und schäumend braust die Aare über die Malmkalke des Jura hinweg. In einem wütenden Tanz aus Strudeln und Wellen drängen die Wassermassen in die enger werdende Schlucht


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Unter dem Fussgängersteg hat sich das Bett völlig verändert. Die vorher noch ausgeglichene Sohle ist einer tiefen Felsrinne gewichen. Profil-Nr. 2


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Vor den letzten beiden Kaltzeiten waren solche Bilder nicht ungewöhnlich, denn die Ur-Aare durchfloss zeitweise Felstäler, die weit unter die heutige Sohlenlage hinabreichten


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Welch traumhafte Wohnlage!


Dieses Profil zeigt das Flussbett etwa in der Bildmitte des obigen Fotos, wo vom linken Ufer ein markanter Felssporn ins Wasser ragt. Profil-Nr.-3

Dieses Profil zeigt das Flussbett etwa in der Bildmitte des obigen Fotos, wo vom linken Ufer ein markanter Felssporn ins Wasser ragt. Profil-Nr.-3

Brugg

Über dem rechten Ufer erscheint nun der alte Stadtkern von Brugg, der vorher noch hinter Fels und Baum verborgen lag. Beim schwarzen Turm folgt nun eine eindrückliche Engstelle, wo sich die Aare durch eine 15 Meter schmale Felsrinne zwängt.

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Es ist kaum erstaunlich, dass über die Engstelle bereits in der Römerzeit eine Brücke geschlagen wurde. Der Standort war relativ sicher vor Hochwasser und bescherte der Stadt reichlich Brückenzölle


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Unter der Brücke ist die Aare nun tiefer als sie breit ist! Für einen Fluss dieser Grössenordnung ist ein solches Profil schlichtweg spektakulär. Profil-Nr. 5


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Jenseits der Engstelle öffnet sich die Felsrinne zum unteren Aaretal hin. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Wasserschloss, wo die Aare auf ihre grössten Nebenflüsse Reuss und Limmat trifft

Viel Fels, wenig Wasser

Die folgenden Aufnahmen entstanden bei aussergewöhnlich tiefen Wasserständen im November 2015. Mit einer Abflussmenge von 125 m³/s erreichte die Aare noch knapp die Hälfte der sonst üblichen Wasserführung für diesen Monat.

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Die türkisfarbenen Linien zeigen den ungefähren Pegelstand bei Mittelwasser (Langjähriges Abflussmittel in Brugg: 314 m³/s)


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Dank des tiefen Wasserstands ist in der Schluchtmitte eine wilde Felslandschaft zu Tage getreten


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Beim schwarzen Turm erscheint der Fluss fast schon als Rinnsal. Es ist jedoch zu bedenken, dass hier (im Vordergrund) immer noch Tiefen von 13-15 Meter herrschen


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Unterhalb des Laufens hat sich die Aare komplett in ihre Felsrinne zurückgezogen


aareschlucht_brugg_niedrigwasser_flussbett_bewuchs

Dies sind die Felsplatten, welche am Anfang dieser Bilderstrecke nur als schemenhafte Formen im Wasser erkennbar waren


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Moosbewuchs im sonst kargen Flussbett. Passend zur Kulisse waren hier auch die Gerüche seltsam, jedoch nicht unangenehm


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Selbst an grossen Flüssen waren solche Stromschnellen bis ins 19. Jahrhundert keine Seltenheit. Leider wurden fast alle dieser prächtigen Laufen überstaut oder gesprengt (letzteres z.B. zur Schiffbarmachung)

Anhang und Bermerkungen

Anmerkungen zu den Profilskizzen:

aareschlucht-brugg-übersicht_profile

Lage der Querprofile. Das Profil Nr. 4 existiert zwar, wird aber in dieser Bilderstrecke nicht gezeigt

  • Die gezeigten Skizzen basieren auf Vermessungsprofilen des Bafu aus dem Jahr 2008. Die Sohle mag sich seither an einigen Stellen verändert haben.
  • Zur Bestimmung der ungefähren Wassertiefen wurden die Wasserstand-Abfluss-Beziehung der Messtation Brugg sowie bei Mittelwasser (322 m³/s) aufgenommene Fotos herangezogen.

Merci

  • Vielen Dank an Roger Waeber und Bertrand Jeanguenat vom Bafu für die Flussprofile und Hilfestellungen zur Verortung derselben
  • Merci an Urs Egloff vom Kanton Aargau und Eveline Gyger von der Stadt Brugg für Infos und Weiterführendes zur Engstelle

Literaturverzeichnis

 

 

 

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Die Aareschlucht bei Brugg

  1. Paul Brünisholz, Brugg

    Die Aare Schlucht in Brugg fahren wir jährlich einige dutzend Mal mit unseren grossen Schlauchbooten. Die Aare Schlucht war unser Turngerät in der Taucher Rekrutenschule in Brugg. Bei einer mittleren Abflussmenge von 315m3/s hatten wir auf unseren Tiefenmessern bei der Eisenbahnbrücke 10 Meter, bei der Brunnenmühle 13 Meter und beim Schwarzen Turm 17 Meter Wassertiefe. Die Unterquerung mit Klettertechnik war immer eine grosse Herausforderung. Ein nach unseren Angaben gezeichnetes Profil der Unterquerung beim Schwarzen Turm findet man in der zweiten überarbeiteten Ausgabe „WASSERSCHLOSS“.

    Antworten
    1. Oliver Crosio

      Hallo zusammen.
      Finde das Ergebniss mit der Tiefenmessung beim Schwarzen Turm sehr interessant,da ich mich schon oft gefragt habe,wie es da unten wohl ausschaut..!!..
      Es gibt auch das Gerücht,das diese Stelle sehr stark unterspühlt ist??…gibt es da Beweise dafür oder Berichte?

      Antworten
      1. Paul Brünisholz, Brugg

        Das sind tatsächlich Gerüchte! Unterwasser gibt es wohl Klüfte, Ritzen und Spalten, wie sie auch über dem Wasser in der Aare Schlucht zu beobachten sind. Aber nichts wirklich grosses! Das Profil ändert mit jedem Meter flussauf- oder flussabwärts. Auf Grund, auf Höhe Kante Unterstrom der Brücke haben wir einen riesigen mannshohen Felsen/Stein/Findling angetroffen. Schätzungsweise war die Breite auf Grund noch etwa 4 – 6 Meter. Von Oberstrom her war eine alte Email Küchenherdabdeckung zwischen der Felsplatte und dem Stein eingeklemmt was bedeutet, dass der Brocken sich bei grosser Strömung bewegt. Wir haben da einige Male die Unterquerung gemacht. Abgetaucht am rechten Ufer auf Seite der Stadt unterhalb der Brücke. Aufgetaucht auf der anderen Seite am linken Ufer oberhalb der Brücke im Kehrwasser unterhalb des Restaurant Schützengarten. Natürlich sind das mur Eindrücke. Es ist sehr schwierig bei der anstrengenden Kletterei, schwachem Licht und schlechter Sicht ein massstäbliches Profil hinterher aufzuzeichnen.

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        1. admin Artikelautor

          Vielen Dank für den spannenden Bericht. Es ist ja unglaublich, dass es dort überhaupt möglich ist zu tauchen, bei den starken Wirbeln und Verschneidungen. Ich gehe mal davon aus, dass das Wassser in der Tiefe etwas ruhiger und berechbarer als an der Oberfläche ist?

          @Oliver Crosio

          Das von mir gezeichnete Profil beim Schwarzen Turm ist an eine Profilaufnahme des Bafu aus dem Jahre 2008 angelehnt. Obwohl die rechte Seite des Felsens (unter dem Turm) ein bisschen merkwürdig glatt aussieht, dürfte das Profil in seinen Dimensionen in etwa stimmen – es gibt also keine oder höchstens minimale seitliche Auskolkungen bzw. Unterspülungen. Ich werde die Skizze in Kürze bearbeiten und durch das von Herrn Brünisholz erwähnte Profil ersetzen.

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  2. Richard Klaus

    Interessante Ausführungen. Als Brugger, der die alte Brücke beim Schwarzen Turm schon schwimmend und mit verschiedenen Bootstypen unterquert hat, fasziniert mich das Thema. Auch das Profil unter den Altstadthäusern nach der Brücke in Flussrichtung weckt meine Neugierde.
    Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Messingtafel am Brückenkopf, auf welcher der Aarequerschnitt an dieser Stelle mit einer starken Unterspülung eingraphiert war. Das Schild ist leider kurz nachdem es angebracht war, auf geheimnisvolle Weise verschwunden.
    Richard Klaus

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  3. admin Artikelautor

    Liebe Brugger

    Aus aktuellem Anlass:

    Wenn alles nach Plan verläuft, wird dieser Beitrag Ende April/anfangs Mai – nach der Chäschüechlifahrt der Brugger Pontoniere – durch einen ausführlicheren Beitrag zur Aareschlucht ersetzt. Aus technischen Gründen ist es leider nicht möglich, die hier verfassten Kommentare ins neue Format zu übernehmen. Ich versuche natürlich alle Hinweise, Anregungen und Beschreibungen so gut als möglich in die Arbeit einfliessen zu lassen. Nochmals herzlichen Dank für eure spannenden Beiträge!

    Schaut doch zu gegebener Zeit nochmals hier vorbei und lasst euch von den neuen Inhalten überraschen. 🙂

    Liebe Grüsse:
    Sebastian Wälti

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