Selhofen Zopfen im Wandel – Ein Jahr danach

Die folgende Bilderstrecke ist Teil der Artikelreihe Selhofen Zopfen im Wandel“. Die meisten Fotos entstanden im Sommer und Herbst 2015.

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Abb. 1: Aufbruch in eine neue Zeit. Nur noch aus dem Wasser ragende Holzpfähle erinnern an die ehemaligen Ufersicherungen

Ein Jahr ist es nun her, seit die Aare am Selhofen Zopfen der aus ihrem engen Bett befreit wurde. Als natürliche Baumeisterin gestaltet sie nun ihren neuen Raum, während sich die Auenlandschaft von den geschlagenen Wunden erholt.

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Abb. 2: Neu eröffneter Uferweg im August 2015

Uferbereiche und Flussbett

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Abb. 3: Wo früher Verbauungen den Fluss begrenzten, können nun abwechslungsreiche Wildufer entstehen


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Abb. 4: Erste Pionierflanzen breiten sich auf dem neuen Damm…


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Abb. 5: …und im Flussbett aus


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Abb. 6: In der Bildmitte sind noch die Überreste des alten Aaredamms zu sehen


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Abb. 7: Ob der Schilfgürtel erhalten bleibt?


Eisvogel

Abb. 8: Eisvögel benötigen natürliche Uferbereiche, wo sie ihre Bruthöhlen anlegen können. Foto: Silvia Berger

Wo es Veränderungen gibt, entstehen ständig neue Lebensräume. So nutzen Eisvögel lehmige Uferabbrüche, während Wasseramseln und Flussregenpfeifer Kiesbänke bevorzugen, um nur drei seltene Vogelarten zu nennen.

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Abb. 9: Die harmlose Ringelnatter ist eine typische Bewohnerin der Auenlandschaft. Foto: Silvia Berger

Abb. 9: Vielfältige Lebensräume bieten nicht nur Schutz, sondern auch mehr Nahrung. So profitiert die Ringelnatter von einem breiteren Beuteangebot, das neben Amphibien und Kleinsäugern auch aus Vögeln und Fischen besteht.

Geschiebe und Strömung

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Abb. 10: Mitten im Fluss ist ein neuer Geschiebebank entstanden. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Sohlenlage stabilisiert

Abb. 10: Im aufgeweiteten Bett fliesst das Wasser in die Breite verteilt und mit geringerer Schleppkraft. Statt sich immer weiter in die eigene Sohle zu fressen, kann die Aare nun auch Geschiebe auflanden.

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Abb. 11: Nicht immer verhält sich die Aare berechenbar. Auflandungen in der Sohle lenken hier die Strömung zur rechten Flussseite, wo nun Uferbereiche erodiert werden

Abb. 11: Wo keine Schutzziele unmittelbar gefährdet sind, wird der Aare eine gewisse Eigendynamik zugestanden. Dies gilt auch für die Haldenau, wo der Fluss nun am rechten Ufer nagt, obwohl dies nicht vorgesehen war.

Entscheidend ist hierbei, dass der Damm noch ein gutes Stück entfernt verläuft, weshalb der Hochwasserschutz gewährleistet ist. Erst wenn die Aare eine festgelegte Interventionslinie überschreitet, sind wasserbauliche Massnahmen zwingend.

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Abb. 12: Wie in der bereits revitalisierten Hunzigenau werden die Fische auch am Selhofen Zopfen mehr Laichplätze vorfinden

Abb. 12: Fischarten wie Forelle und Äsche benötigen für ihre Laichgruben lockeres und gut durchströmtes Kies in der richtigen Substratgrösse. An Geschiebebänken, wo die Strömung vielfältig ist, wird ständig Material umgelagert und nach Grösse sortiert.

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Abb. 13: Unterschiedliche Strömungszonen wirken sich positiv auf die Artenvielfalt aquatischer Kleinlebewesen aus


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Abb. 14: Netz einer Köcherfliegenlarve. Solch winzige Kreaturen gehören genauso zum Fluss, wie ein Eisvogel oder eine Forelle, da sie einen wichtigen Teil der Nahrungskette bilden. Foto: Vinzenz Maurer, GBL

Strömungsreiche Flussabschnitte sind das beste Rezept gegen die Ausbreitung gebietsfremder Kleinlebewesen. Im Gegensatz zur oft eingestauten Mittelland-Aare, konnten sich in den freifliessenden Abschnitten oberhalb des Wohlensees nur wenige Neozoen ausbreiten.

Lenkbuhnen

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Abb. 15: Die in die Aaresohle eingebrachten Lenkbuhnen können, je nach Abfluss, beachtliche Schwälle erzeugen

Abb. 15: Für Schwimmer und Boote sind die Lenkbuhnen im Grunde harmlos (selbst getestet), da sie bei sommerlichen Abflüssen genügend tief im Wasser liegen. Man kann den Schwällen aber auch bequem auf der linken Flussseite ausweichen.

Giessen

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Abb. 16: Der Mündungsbereich des Giessens erinnerte noch vor einem halben Jahr an eine Kriegsfront. Nun kehrt auch hier allmählich das Leben zurück

Neben den Rodungen gehört der Verlust von Feuchtgebieten zu den schwersten Einbussen am Selhofen Zopfen. Bis sich solche Zonen wieder gebildet haben, werden noch viele Jahre ins Land ziehen.

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Abb. 17: Auch im mittleren Teil erscheint der Giessen bereits im grünen Kleid. Man beachte den Bewuchs auf der Bachsohle

Hochwasser und Auwald

Als Gestalterin ist die Aare bei Hochwasser besonders aktiv, wenn sie den Auwald überschwemmt, Ufer anreisst oder Kiesbänke auflandet. Im Mai 2015 rauschte bereits ein beachtliches Hochwasser durch das Flussbett, ansonsten blieb es aber ziemlich ruhig.

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Abb. 18: Ein erstes Frühlingshochwasser rauscht durch den Zopfen (links)


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Abb. 19: Der Blick von oben zeigt, dass erstmals das gesamte Flussbett bis zum neuen Damm durchströmt wird


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Abb. 20: Ein grossartiger Anblick! Nach bald zweihundert Jahren sind hier endlich wieder auentypische Entwicklungen möglich


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Abb. 21: Gehölz einer Weichholzaue zwischen Belp und Muri. Solch wertvolle Bereiche dürften auch bald am Selhofen Zopfen entstehen

Die Entstehung neuer Weichholzauen ist an Stellen zu erwarten, wo das Flussbett auf über hundert Meter aufgeweitet wurde. Mit bis zu dreihundert Metern Breite bietet der Selhofen Zopfen also gute Bedingungen.

 

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